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Papa legt riesige Merguez zum Braten auf den Barbecuegrill (Papa sagt "Barbekuh", das bringt uns richtig zum Kichern, ich wußte damals noch nicht, ein sehr vornehmer Freund hatte es mir noch nicht erklärt, aber man sagt wirklich "Barbekuh", aus einem Grund, den ich vergessen habe), so riesig sind die Merguez, dass sie auf beiden Seiten über den Bratrost hinausragen. Der Garten ist ziemlich klein, der Rasen nicht sehr grün und mein jüngerer Bruder bohrt Tunnel in den Boden, mit seinen kleinen Händen gräbt er sehr schnell, als sei es eine Frage von Leben oder Tod, er ist konzentriert, Schweißtropfen perlen von seiner hochroten Stirn, seinen haarlosen Achseln, nässen sein Tischört, er gräbt und niemand gerät in Panik. Papa kümmert sich um die Merguez, er kann es nicht leiden, dabei gestört zu werden, oh lala, ja nicht. Mama, was macht sie denn Mama. Frau Hektor steht bolzengerade in ehrfürchtigem Abstand von Papa, sie fühlt diese Spannung, diese Konzentration, sie wagt nicht nachzufragen, wo Mama ist, sieht komisch aus, so bolzengerade, ich unternehme nichts, um ihr zu Hilfe zu kommen, ich genieße es eher, wie sie so dasteht, als ob ihr die Sprache verschlagen wäre. Ich beobachte meinen kleinen Bruder, ich nenne ihn "mein Häschen", er hört nicht zu, er bohrt, gräbt neue Tunnel, er macht mich trotz allem neugierig mit den vielen Löchern im Rasen. Sobald Papa von seinen Merguez aufschaut und sie bemerkt, dann gibts Krach, soviel ist sicher, oh mein Hase, mein Häschen, oh oh! Und plötzlich richtet sich mein kleiner Bruder wieder auf, das ganze Gesicht über und über mit Schweiß und Erde verschmiert, den Mund zu einem ungeheuren Lächeln verzogen, er breitet seinen Schatz aus, eine Armbanduhr mit Rechnerfunktion voll von Erde, er hält sie in der ausgestreckten Hand, zeigt sie vor als wäre sie eine Trophäe, findet keine Worte, ist aber stolz. Stolz darauf, den Schatz wiedergefunden zu haben, den er an einem dieser untätigen Tage vergraben hatte, an denen man die Folgen seiner Handlungen vergißt. Ich ziehe ihn fest in meine Arme, dann lasse ich ihn im Kreis herumwirbeln, seine kurzen Beine strampeln auf die Handtasche von Frau Hektor, die sich an unserer Statt entschuldigt (pff, was für eine Gans), ich bin stolz auf meinen kleinen Bruder, der da durch die Lüfte fliegt. Es ist Sommer, es ist sehr heiß, wir ziehen unsere Tischörts aus, mein Bruder und ich, wir gehen in Stellung und spielen Flugzeug, mit ausgebreiteten Armen, den Kopf nach vorn, nehmen einen Anlauf wie verrückt, aus Leibeskräften, rennen zehnmal um den ganzen Garten, schlagen Haken zwischen den losen Kordeln der Schaukel, zwischen den Beinen von Frau Hektor, wagen nicht in die Nähe des Barbecue zu kommen, wir sind ja nicht blöde, ahmen das Geräusch einer Boeing nach, eines Jets, einer Mirage, einer Rakete, eines Weltkriegs, überschlagen uns im Gras, sind glücklich. Mir ist es langweilig, mein kleiner Bruder ist in die Garage eingesperrt worden (wegen der Löcher im Rasen), wir reden auf den beiden Seiten der Tür miteinander, ihm ist das gleich, er wird fortgehen, er ist ein Genie, hat alles verstanden, spuckt auf die Merguez, die Mama ihm unter der Tür zuschiebt, ich höre ihn spucken, mein Bruder ist ein Held. Mir ist es langweilig, ich warte, bis das Barbecue zu Ende ist, aber Papa ist noch nicht fertig, jetzt legt er die Schweinerippchen auf den Rost, verteilt sie per Ausruf, sieht glücklich aus, er bläst die Glut seines elektronischen Barbecues an, sagt Dinge wie: "Haben alle etwas bekommen? Sagt mir, wenn ihr mehr von der provenzalischen Kräuterwürze darauf möchtet, lasst euch nicht bitten. Ganz schön heiß heute, was?" Der König tritt in Erscheinung, ganz außer Atem auf seinem Motorroller, den er nachlässig gegen den Baum lehnt. Papas Miene verdüstert sich, er hält die Gabel aufrecht in der Hand, für alle Fälle, und sagt: "Das hier ist ein Privatgrundstück und gerade als der König, der Sie sind, dürfen Sie das nicht übersehen." Ich finde es toll, wenn mein Papa so redet, mein Herz schlägt, in meinem Kopf flimmern Sternchen, ich höre, wie meine Bruder aufhört, auf den Tasten seiner Armbandrechnernuhr zu klimpern, ich jubiliere. "Mein Herr, bitte verzeihen Sie das Betreten, aber was ich Ihnen zu sagen habe, ist höchstwichtig." Papa legt die Gabel hin, seine Äuglein blinzeln, er weist Mamas Hand ab, die seinen Arm nehmen möchte, er ist so würdig, alle Blicke richten sich auf ihn, außer Frau Hektor, die so tut, als würde sie nähen. " Ich bin gekommen, um Frieden zu schließen. Dieser Krieg dauert schon zu lange, er muss aufhören." Der König hat seinen Sturzhelm aufbehalten, seine Krone ist auf dem Helm mittels eines einfallsreichen Systems aus Klebeband und Schnur fest angebracht. "So ist die Sache etwas leicht … ". "Mein Herr, betrachten wir uns nicht mehr als Feinde. Ich bin hergekommen, um Frieden zu schließen, den Frieden der Tapferen, der Auserwählten." Da läßt Papa allen Vorbehalt sinken, seine Wangen färben sich rot, Papa ist geschmeichelt, Maman läßt sich zu einem Lächeln herab, Papa willigt ein, die Hand des Königs zu drücken. Frau Hektor vollführt eine Tänzchen, ein paar Schritte, als wolle sie sich aufwärmen. Ich fühle einen Anflug von Enttäuschung, aber alle sehen sehr zufrieden aus, also sage ich ja danke zum Schaumwein und ja in Ordnung, ich werde meinen kleinen Bruder herauslassen. Und mit meinem kleinen Bruder zusammen trinken wir aus der Flasche und spielen nochmal Flugzeug, diesmal noch schneller und noch weiter, wir steigen über den Gartenzaun, wir sind auf der Straße, auf der Hauptstraße, unter den ausgeschalteten Straßenlampen, wir heulen wie Wölfe, wie Krieger, wie Legionäre, wir brüllen. Wir lösen einen neuen Krieg aus. Paris, 2003
Mathieu Roux: über den Autor
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"So stand er in der Zeit, warf mit Handlungen um sich und ging Bündnisse ein…"
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| © 2003 das gefrorene meer - la mer gelée | ||||||||||