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Nummer 2 - Territorium |
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"Beim Stürzen hörte ich die Tür knallen, was mir Trost verschaffte, sogar mitten im Sturz"
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"Der Name ist das richtige Instrument um die Wirklichkeit zu lehren, wie das Weberschiffchen zum Aussondern der Fäden." (Platon, Cratylus) "Es gibt kein größeres Geheimnis als das Elend." (Oscar Wilde)
Paradoxe. Die Bildung für Alle, dieser Hass auf die Selektion, lässt die finanziellen oder gesellschaftlichen Klüfte unberührt. Das allgemeine Wahlrecht, dieser Hass auf den Zensus gibt sich mit der politischen Apathie sehr zufrieden. Die Transparenz und die schnelle Information, dieser Hass auf das Fragen oder auf das Forschen, ist sehr nahe an der Unkultur. Der Humanitarismus, dieser Hass auf das Leiden, begleitet das Schlimmste: ethnische Säuberung, Lager, Bürgerkrieg. Und wenn unsere frühere Besorgnis um "die neuen Armen", unsere heutige um "Das Elend der Welt" oder über die Ausschließung in die gleiche Falle gehen würde? "Armut" und "Elend" versuchen, die "Ausschließung" festzulegen. Armutsschwelle: 575 € pro Person und pro Monat in Frankreich. Sehr gut. Unter dieser Schwelle ist Elend. Es wird sogar gesagt, dass Zahlen hier keinen Sinn mehr haben; es wird versucht, dem Identitätsverlust, diesem Allerletzten, der Selbstverachtung einen Namen zu geben. Auch sehr gut. Die Sachen kehren sich aber seltsamerweise um. Hängt es von uns ab, das quasi-metaphysische Risiko der conditio humana auszuschließen? Das Elend gehört weniger zur Welt als zu mir selbst, als Sterblichem. Dieses Elend zu leben wird nicht ausgeschlossen werden, diese Endlichkeit, ohne die es keine Freude am Leben, kein Wunder des Existierens gibt. Wir können, wir sollen gegen die Vereinsamung kämpfen. Wir können aber nicht gegen die Einsamkeit kämpfen: unpersönliches Gegenüber, das ist die wahre Ordnung der Welt, und von mir selbst Sterblichem, Denkendem. Wird aber wenigstens die Armut ausgeschlossen werden? Ich muss zugeben, ich kann mich damit genauso wenig begnügen. Wer ist arm? Dieser Reiche den alles verlässt - Hunger, Durst, Lust - unter dem Vorwand, dass er sterben wird? Dieser Arme, dessen ganzer Tag von einem Blick, von einem Wort erleuchtet wird? Dieser junge Mann, dessen häufige Liebschaften die Quelle eines Gespräches, eines Briefes, dieses Buches, das er nicht mehr zu lesen weiß, ignorieren? Dieser Fernsehgucker, dessen akzeptierte Hypnose noch eine Gewohnheit verstärkt, von der er weiß, dass sie weit verbreitet ist? Wer noch? Sie, ich, die ersten und letzten Ausgeschlossenen. Was tun? Ein Tun sollte sich nicht darauf beschränken, zu vermeiden. Hier schließt sich die Falle in einer für die christliche Welt typischen Weise, von der Figur Christi eingeführt, mit Unrecht oder nicht. Weil die Ausschließung nicht teuflisch ist, wird gesagt, lieben wir sie wie eine heilige Geschichte. Unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Ausschließung, wird ihre Verwurzelung in der Sünde des Lasters oder der allgemeinen Schuld gefeiert. So läuft das "charity business", dessen Botschaft verurteilt werden muss: eigentlich können wir nichts machen, wir sollen auch nichts dagegen machen können, insofern dieses eingewurzelte Böse das Versprechen unseres Heils ist. Die Herzen berühren, damit die Köpfe nicht wissen, dass wir dagegen etwas tun können; nur wenn sich eine Öffentlichkeit öffnet, wo gesprochen werden kann, wo gezeigt werden kann, dass überall, wo über das Wesen des Menschen - sei es aus Zärtlichkeit oder aus Kalkül - bestimmt wird, seine Person verleugnet oder eingekäfigt wird. Pädagogik, Pathologie oder Wirtschaft haben ihre Stelle, aber nicht die erste, die zum Privileg der Freiheit gehört.
Dass ein Wort uns nicht mehr passt, kann nicht reichen, um alles zu verurteilen, was in seinem Namen gemacht wird. Aber es wäre ein schlechtes Zeichen, wenn das Handeln wegen einer zweifelhaften Öffentlichkeit oder Werbewirksamkeit sich verkleidet oder travestiert. Die falsche Scham ist nicht die SCHAM, die sich ihrerseits keine Sorge um das Verbergen macht. Nur mit Hilfe dieser SCHAM ohne Schleier können wir von diesem ordinären Übel - unserer Ausschließung - sagen, was wir mit ihm anfangen können und müssen.
Anmerkungen: (1) Die französischen Medien
erfinden alle drei Monate ein Wort das sich als Schlüsselbegriff der Wirklichkeit
verkaufen will. "Exclusion" (Ausschließung) ist ein solches, mit allen
seinen Varianten. Es wird von den Ausgeschlossenen gesprochen (sogenannte
"SDF", Obdachlose, "Sans papiers", Illegale usw.), von der Maschinerie
der Ausschließung ("la machine à exclure") und Jacques Chirac hatte seine
Kampagne 1995 mit dem Begriff des "sozialen Bruches" ("fracture sociale")
bestritten… A.d.R.
Gilles Clamens: gilles.clamens@wanadoo.fr |
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